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Sprachkunst und Hörspiel: Gerhard Rühm

Seine künstlerische Laufbahn begann der Sohn eines Wiener Philharmonikers als Komponist. In den 50er Jahren fand Gerhard Rühm zur Literatur, veröffentlichte zunächst "lautgedichte" und gehörte dann zu den Mitbegründern der "Wiener Gruppe": die Künstlergruppe, zu der u.a. H.C. Artmann, Friedrich Achleitner und Konrad Beyer gehörten, suchte die Erneuerung der literarischen Aussage aus dem Material der Sprache, die Ausreizung der sinnlichen Qualitäten von Sprache. Mit ihren theatralischen Aktionen, Sprachmontagen, Hörspielen u.a. griffen sie auf Formen des Dadaismus zurück, oft mit bewusster Publikumsschockerei. In seinem Heimatland wenig beachtet, verließ Rühm 1964 Österreich, lebte in Berlin und ab 1975 in Köln. Bis 1995 unterrichtete er als Dozent für freie Grafik an der Kunsthochschule Hamburg.

Rühms Interesse an dem Spiel mit der Sprache kennzeichnet auch seine Hörspielarbeit. In den 60er Jahren entdeckten die Autoren die akustischen Möglichkeiten des Mediums Radio, experimentierten mit Misch- und Montageformen und bauten O-Töne in ihre Arbeiten ein. So entand 1969 der Begriff des `Neuen Hörspiels´ (analog zum `Nouveau Roman´), unter den sich auch die Sprachexperimente der Konkreten Poesie (neben Rühm zählten u.a. Fredericke Mayröcker, Ludwig Harig und Ernst Jandl zu ihren Autoren) fassen ließen. In den Hörspielen lösten sich die Sinnzusammenhänge auf, es gab zwar Dialoge, aber keine zusammenhängende Handlung mehr. 1983 erhielt Rühm für sein Stück "Wald. Ein deutsches Requiem" den Hörspielpreis der Kriegsblinden. In seiner Dankesrede formulierte Rühm sein Konzept so: ein Hörspiel sei ein “autonomes Hörereignis, komponiert aus allem, was hörbar ist, was hörbar gemacht werden kann (...), ein Hörereignis, das eigentlich erst im Tonstudio seine Gestalt gewinnt” (zitiert nach Ralf Schnell, Geschichte der deutschsprachigen Literatur seit 1945, S. 272 f). 1977 erhielt Rühm mit dem Karl-Sczuka-Preis einen zweiten renommierten Hörspielpreis. Es gibt kaum einen Autor, der die Ausdrucks- möglichkeiten des Hörspiels wie der radiophonen Literatur und Kunst so systematisch und unvoreingenommen erkundet hat wie Rühm.

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