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Crossedia, der neue Weg der Kulturradioprogramme ? Das "Projekt Kaukasus" von Radio Bremen.
      Das Projekt     Crossmedia        Radio u.Internet     Lesermeinung     

Eine multimediale Reise an die äußersten Ränder Europas können Radiohörer und Internetnutzer derzeit mit Hilfe von Radio Bremen unternehmen.

Martin Ebbing, der als Reporter für RADIO BREMEN 2 bereits auf der Busroute Bremen - Warschau - Minsk - Moskau, in Albanien und im Kosovo im Einsatz war, ist seit dem 11. April auf allen begehbaren und vor allem auf von ihm noch herauszufinden Wegen die Region rund um den Elbrus erkunden. Die Reise ist als Multimedia-Projekt angelegt. In der Türkei begonnen, verfasst Ebbing von Station zu Station eine Tagebuch, in dem er seine Begegnungen und Erfahrungen vom Ort des Geschehens dokumentiert.ebbing Die Beiträge und Bilder, die er mit modernster Digitaltechnik erstellt, werden von ihm direkt auf eine von der Online-Redaktion von RADIO BREMEN betreute Website geschickt. Zum Angebot gehören auch regelmäßige Hörfunkbeiträge für die Sendungen 'Art & Weise' von RADIO BREMEN 2 im Funkhaus Europa und für das 'Journal am Morgen' auf der Frühstrecke des Programms. Alle Hörfunkangebote sind als Real Audio auch auf der Website verfügbar. Über Links erhalten die Nutzer dort außerdem Zugang zu vertiefenden Informationen über die einzelnen Schauplätze der Reise. Die Website enthält Angaben zum Sendetermin des jeweils nächsten Hörfunkbeitrags. Im Programm von RADIO BREMEN 2 und Funkhaus Europa gibt es für die Hörerinnen und Hörer im Gegenzug Hinweise auf die Möglichkeit, ihren Kenntnisstand durch Zugriff auf das Internet-Angebot zu erweitern.

Wie Scherben, die nach dem Zerbrechen eines Spiegels liegen geblieben sind, sieht die Region auf den Landkarten aus. Nach dem Untergang des Vielvölkerstaats Sowjetunion haben sich die vielen Völker, die im Kaukasus leben, für die nationale Unabhängigkeit entschieden, mit allen Risiken, die sich daraus
ergeben, dass sie selten über schlüssige Grenzen zueinanderverfügen. Kulturelle und religiöse Vielfalt steht der politischen Einheit häufig im Wege. Wirtschaftliche Interessen verstärken die Gegensätze, die Armut der Menschen und der Reichtum an Bodenschätzen bilden einen krassen Kontrst. Der Kaukasus, eine Landschaft an der Scheidelinie von Europa und Asien, ist auch ein Mikrokosmos der Feindschaften und Kriege. Andererseits hat hier die Geschichte der Menschheit, nach biblischer Überlieferung, noch einmal begonnen. Am Berg Ararat erhielt Noah von einer Taube, die mit einem Ölzweig im Schnabel zurückkehrte, die Botschaft vom Ende der Sintflut. Prometheus, der den Göttern das Feuer geraubt hatte, wurde von ihnen zur Strafe an den Berg Kasbek am Übergang der grusinischen Heerstraße von Georgien nach Russland gekettet. In Maikop, in einer Grabkammer aus der Zeit der Kuban-Kultur, entdeckten Archäologen im Jahr 1897 eine der ältesten Landschafts- darstellungen der Welt. An Zarathustra, einen altiranischer Religionsstifter aus dem 6. Jahrhundert vor Christi Geburt, erinnern noch heute die vom Feuer insprierten Tanzrituale seiner Anhänger auf den Ölfeldern von Ramana in Aserbeidschan. Selbst der Krieg um Tschetschenien folgt einem historisch brisanten Motiv: Wladikawkas, Beherrsche den Kaukausus!, ist der Name der Hauptstadt der nord-ossetischen Republik, die der Ausgangsort zahlreicher russischer Eroberungsfeldzüge war.

Digitale Technik, konventionelles Radio und Internet verschmelzen zu einem in dieser Form einzigartigen Multimedia-Auftritt, mit dem RADIO BREMEN dem Journalismus neue Dimensionen erschließt. Das Projekt kann ohne Übertreibung als wegweisend angesehen werden, denn es bietet einen neuen Ansatz in der Gestaltung von Radiosendungen und der Bindung an die Hörerinnen und Hörer. In der Regel bieten die Internetseiten der Sender vertiefende Informationen über das Programm und zusätzliche Serviceangebote. Nur selten aber wird das Web so in die Konzeption einer Rundfunkproduktion eingebunden, wie bei Ebbings Reiseberichten. Erste Ansätze zeigten sich erst kürzlich bei der Einführung der Daily Soap auf DeutschlandRadio Berlin.

Die Zukunft der Kulturradioprogramme könnte auf dem Gebiet der Online-Medien liegen, was nun nicht heißen muss, dass man sich vom alten Bild des Mediums Radio radikal verabschiedet oder gar eine Verschmelzung von Radio und Internet (Web-Radio) erreichen will.  Die  Möglichkeiten des Crossmedia bieten Raum, Traditionen zu bewahren und gleichzeitig neue kreative Wege zu gehen: die Mediengrenzen werden überschritten, die unterschiedlichen medienspezifischen Möglichkeiten werden in einem Projekt gemeinsam genutzt. Wie dies aussehen kann, zeigen uns Martin Ebbing und Radio Bremen.
 

Doch sollte Crossmedia  für die Kulturradioprogramme kein Königsweg sein. Auch Radio-on-demand, über die eigene Website angeboten, ist angesichts der Größe und des Reichtums der Archive öffentlich-rechtlicher Anstalten eine überaus interessante Perspektive. Und natürlich ist das Internet auch der Ort,  an dem über Kulturradio informiert, für Kulturradio geworben werden kann - und  neue Hörer  gewonnen werden können.  “Radiokult” will  dazu einen Beitrag  leisten, aber: der Weg ist steinig. Wie sagte uns doch ein Verwaltungsmitarbeiter  eines in Westdeutschland beheimateten Senders: “Internet interessiert uns nicht!”

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