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"Good Radio facts": Neue Studien belegen gestiegene Bedeutung des Radios

Das Radio geht in eine positive Zukunft: dies kann aus den Ergebnissen zweier wissenschaftlicher Studien geschlossen werden, die wir Ihnen in diesem Beitrag vorstellen wollen

"Radio Key facts 2000"
Die Vermarktungsgesellschaft IP untersuchte das Hörverhalten und den Stellenwert des Radios in 20 europäischen Ländern und den USA; über 500 Radiostationen wurden dabei berücksichtigt. Erfreulich ist zunächst der hohe Ausstattungsgrad mit Radiogeräten, d.h. in der Mehrzahl der Länder besitzen mehr als 90 Prozent der Bevölkerung ein Radiogerät. Der Marktanteil des Hörfunks am gesamten Medienmarkt liegt bei 6-7 Prozent. Entsprechend stiegen in drei von vier Ländern die Investitionen in das Medium um über 8 Prozent, die Werbeeinnahmen stiegen in größerem Umfang als bei anderen Medien.
In Europa dominieren anders als in den USA, die Vollprogramme mit einem Marktanteil von 40 Prozent, doch ist auch hier ein Trend zu Spartenprogrammen zu beobachten, deren Anzahl gestiegen ist; als Sparten scheinen sich Nachrichten, Wirtschaft, Sport, Religion und - für uns besonders erfreulich - Kultur herauszukristallisieren, nicht aber die noch vor einigen Jahren hoch gehandelten "Talk-Radios".
84 Prozent der Deutschen hören Radio, damit liegen wir an dritter Stelle nach Irland und Großbritannien. Europäisches Schlusslicht ist Dänemark, aber immerhin noch mit 55 Prozent.
Das Radio passe sich, so die Autoren der Studie, der modernen Gesellschaft an, und sei ein Medium der Beweglichkeit. Auch im Internet sieht man keine Gefahr, denn im Gegenteil könne das Radio neue Angebote entwickeln.

Bei aller Freude über diese Zahlen darf aber nicht vergessen werden, dass die Kulturradioprogramme ach wie vor einen schwereren Stand haben. Vor allem in jenen Ländern, die noch Entwicklungsbedarf in Sachen Hörfunk haben - dazu gehören in erster Linie die Staaten Osteuropas - besitzen die Jugendradios, oft verächtlich "Dudelfunk" genannt, einen großen Marktanteil.
Damit kommen wir zur zweiten Studie:

"Hörfunk als Instanz der Jugendsozialisation in den alten und neuen Bundesländern"
Unter diesem sehr akademischen Titel verbirgt sich ein höchst interessante Untersuchung, die ergab, dass für die meisten jungen Leute das Radio das wichtigste Medium ist. Mehr als drei Viertel aller 14 bis 19jährigen schalten jeden Tag ihr Radio ein - im Schnitt für über zwei Stunden. Und nicht nur das: Radiohören dient ihnen dazu, sich weiter zu entwickeln. Die Chemni12boehnktzer Soziologen Prof. Dr. Klaus Boehnke und Dagmar Hoffmann haben 135 Jugendliche zwischen neun und 17 Jahren aus Chemnitz und Oldenburg über ihre Hörfunkgewohnheiten befragt. Sie wollten dabei möglichst genau erfassen, warum und wann Jugendliche überhaupt Radio hören, was sie sich vom Hören versprechen und schließlich, wie sie das Gehörte be- und verarbeiten. Es gelang den Wissenschaftlern, insgesamt vier etwa gleich große Gruppen von jugendlichen Rundfunkhörern zu unterscheiden:
a) solche, die sich nur mäßig vom Radio angezogen fühlen (Gruppe I): Für sie gehört das Radio "halt dazu", ihnen fällt es am leichtesten, Radio "nebenbei" zu hören, etwa bei den Schulaufgaben.
b) die ganz gezielt hören (Gruppe II): deren Angehörige hören seltener, interessieren sich hauptsächlich für Wortbeiträge, die sie gezielt aussuchen. Andere Tätigkeiten stören sie nur beim Hören.
c) die leidenschaftlichen Hörer (Gruppe III), die vom Hören gar nicht genug kriegenkönnen; für diese Jugendlichen läuft alles besser, wenn der Kasten an ist. Aber zugehört wird nicht etwa nur so nebenbei - keine andere Gruppe setzt sich mehr mit dem Gehörten auseinander, spricht mit Freunden darüber.
d) die Uninteressierten (Gruppe IV), für die das Radio nicht besonders wichtig ist; sie hören nur selten und mehr oder weniger zufällig hin. Das gilt selbst für die Musik; hier liegt auch der größte Unterschied zu den anderen Gruppen. Das Auseinandersetzen mit dem Gehörten spielt für sie keine Rolle.
Die Wissenschaftler fanden auch, daß es zwischen der Gruppenzugehörigkeit und dem Empfinden der eigenen Entwicklung Zusammenhänge gibt. Besonders die Jugendlichen in der zweiten Gruppe haben einen gewaltigen Entwicklungsbedarf. Sie benutzen Radiosendungen als Gesprächsthema, es dient ihnen praktisch als "Kontaktstifter". Bedeutend geringer empfinden die Mitglieder der ersten Gruppe ihren Entwicklungsrückstand. Noch weniger Probleme damit haben die Vielhörer der Gruppe III, was darauf schließen läßt, das intensives Radiohören die persönliche Entwicklung beschleunigt. Am weitesten fortgeschritten in ihrer Entwicklung sind allerdings die Wenighörer.

Man darf gespannt sein, wie die Entwicklung des Hörfunks weiter geht und welche neuen Erkenntnisse wir noch erwarten können. Wir werden Sie auch weiterhin über neue Untersuchungen und Studien informoeren.

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